Die Untere Elbe, die bei der Staustufe bei Geesthacht südlich von Hamburg beginnt und bei Cuxhaven in die Norsee mündet, wird auch als "Tide-Elbe" bezeichnet und ist ein Flussabschnitt ganz besonderer Art. Hier bestimmen noch die Gezeiten über 100 km hinweg den Lauf des Flusses.
Durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut entstehen ganz besondere Lebensräume: So mischen sich im Mündungsbereich Süß- und Salzwasser zu einer Brackwasserzone, weiter flussabwärts finden sich die weltweit sehr seltenen Süßwasserwatten, die bei Ebbe regelmäßig trocken fallen. In diesen sehr nährstoffreichen Biotopen finden sich seltene Tier- und Pflanzenarten, die sich auf genau diese Bedingungen spezialisiert haben – nur hier können sie überleben. Auch als Kinderstube für Fische und Rastplatz für Zugvogelarten haben die Süßwasserwatte eine hohe Bedeutung.
Fahrrinnenvertiefungen seit 1850
Durch die stark schwankenden Wasserstände und die Strömung bot die Untere Elbe für die Schifffahrt früher schwierige Bedingungen. Durch umfangreiche Baumaßnahmen wurde der Fluss deshalb seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder vertieft – von 3 bis 4 m Wassertiefe (vor 1850) auf über 15 m (1999). Nach der großen Sturmflut von 1962 wurden zudem große Strecken mit Deichen eingefasst und dadurch großflächig Überschwemmungsgebiete vom Fluss abgeschnürt und zerstört.
Schwerwiegende Folgen für die Natur
Der Tidenhub (die Differenz von Hoch- zu Niedrigwasser) hat sich seit dem Beginn der Ausbaggerungen in Hamburg verdoppelt, die Strömungsgeschwindigkeit hat sich drastisch erhöht. Auch auf die Wasserqualität hatten die Maßnahmen negative Auswirkungen: seit der letzten Vertiefung von 1999 kommt es immer wieder zu Sauerstoffmangel und Fischsterben. Durch die Eindeichungen gingen zudem wichtige Aufzuchtgebiete für Fische verloren.