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Niedrigwasser auf der Elbe

Am 12. April 2007 haben wieder einmal die Interessenvertreter der Binnenschifffahrt, der Elbehäfen und des Hamburger Hafens den Bundesverkehrsminister Tiefensee zu einem Dialog über die Zukunft der Elbeschifffahrt nach 2010 eingeladen. Nach Ihrer Meinung wäre es „ein verkehrspolitischer Luxus, die Elbe als Verkehrsachse zwischen Hamburg, Magdeburg, Dresden und Prag zu vernachlässigen!“. Zugleich begrüßten sie zum wiederholten Male den Entschluss der Bundesregierung, durch bauliche Maßnahmen an der Elbe an 365 Tagen im Jahr eine durchgängige Fahrwassertiefe von 160 cm herzustellen. Die Antwort auf die Frage, wo das Wasser dafür herkommen soll, blieben sie aber leider weiterhin schuldig.

Wie knapp die Wasserführung tatsächlich bereits jetzt ist, zeigen die täglich neuen Meldungen in der Presse. Einige Streckenabschnitte der Elbe liegen schon jetzt unter 1 m Wassertiefe, die Schifffahrt ist an einigen Stellen schon fast zum Erliegen gekommen. Aufgrund der großen Trockenheit werden die Wasserstände In den nächsten Tagen voraussichtlich weiter fallen.

Niedrigwasserperioden an der Elbe nehmen zu

Da die tatsächlichen Wasserstände der Elbe im politischen Raum verklärt oder gar verfälscht werden, haben BUND, WWF und DUH im Jahr 2006 unabhängige Wissenschaftler des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) beauftragt, das Niedrigwassergeschehen auf der Elbe zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass seit den 1990er Jahren auf der Elbe zwischen Dresden und Magdeburg immer häufi-gere und auch längere Niedrigwasserperioden auftraten.
In den letzten 2 Jahrzehnten nahmen die Sommerniederschläge ab und die Jahresmitteltemperaturen stiegen an. Die Folge: „Bei Andauer der beschriebenen Trends muss mit einer zunehmenden Häufigkeit von Niedrigwasser und zurückgehenden Niedrigwasserabflüssen im Bereich der mittleren Elbe gerechnet werden.“, so Herr Dr. Wechsung vom PIK.

Ausbau der Elbe beruht auf falschen hydrologischen Annahmen

Teilweise lag die Fahrrinnentiefe an mehr als ein Drittel des Jahres unter den von der Schifffahrt geforderten 1,60 m (1991: 173 Tage; 1992: 149 Tage, 2000: 194 Tage; Werte für den Abschnitt Saalemündung bis Magdeburg; Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg). Dennoch setzt offensichtlich die neue Bundesregierung und allen voran das Verkehrsministerium auf den Ausbau der Elbe. Die Behörden berufen sich dabei auf Zahlen ihrer eigenen Fachbehörden, wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), die im Sommer letzten Jahres in einer hausinternen Studie wesentlich optimistischere Zahlen auf den Tisch legte.

Die Wasser- und Schifffahrtbehörden haben für die Berechnung und Festsetzung des sogenannten Gleichwertigen Wasserstands (der durch die Unterhaltungsmaßnahmen überall einzuhaltende Niedrigwasserstand) an der Elbe einen Zeitraum gewählt - 1973 bis 1986 -, der zu den feuchtesten der letzten hundert Jahre gehört hat und der demzufolge zu falschen Ergebni

Ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe ist mehr als fraglich

Die Umweltverbände sehen durch die Ergebnisse der Studie das bisherige Unterhaltungsziel, die ganzjährige Schiffbarkeit des Flusses - 1,60 m Fahrwassertiefe an 345 Tagen eines Jahres zwischen Dresden und Geesthacht, 1 m zwischen Dresden und Schmilka – ad absurdum geführt. Dieses Ziel ist aufgrund der stark schwankenden Wasserführung der Elbe nur an wenigen Jahren, in denen die Elbe besonders viel Wasser führt, erreichbar.
Aber auch eine ganzjährige Fahrwassertiefe von 1,60 m würde keinen wirtschaftlichen Transport per Binnenschiff ermöglichen. Laut Bundesverband der Binnenschifffahrt liegt die untere Grenze der Rentabilität bei einer Fahrrinnentiefe von ca. 2,30 m.

Transportaufkommen stark rückläufig

Dazu kommt drastische Rückgang des Transportaufkommens auf der Elbe. in Magdeburg z.B. sanken die Transportmengen von 1998 bis 2004 von 1,8 Mill. to auf 0,8 Mill to, im gleichen Zeitraum am Grenzübergang Schmilka von 1,4 Mill. to auf 0,4 Mill. to (Quelle: WSA Magdeburg). Für die Transportwirtschaft ist die Elbe also von völlig untergeordneter Bedeutung, Die derzeitigen Gütermengen könnten von wenigen zusätzlichen Güterzügen pro Tag übernommen werden.
Die Studie des Potsdamer Instituts für Klimaforschung als PDF-Download (1,73 MB)

Staustufenbau in der Tschechischen Republik ?

Damit aber nicht genug: in der Tschechischen Republik werden zurzeit zwei neue Staustufen in der Elbe geplant. Dabei berufen sich die Planer ebenfalls auf die unrealistischen Transportprognosen und Fahrrinnentiefen des Bundesverkehrsministeriums.

siehe auch:
Staustufenbau in der tschechischen Republik









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