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Die Elbe und das Problem der Tiefenerosion

Die Erosion des Flussbetts ist ein natürlicher Prozess, der an allen Flusssystemen auftritt: Durch die ständige Stömung wird Sand, Kies und Geröll, das sogenannte „Geschiebe“, abgetragen und weitertransportiert. Dadurch tieft sich die Flusssohle nach und nach ein; mit der Sohle sinkt auch der Wasserspiegel im Fluss. Normalerweise handelt es sich dabei um wenige Milimeter pro Jahr, da immer wieder neues Geschiebematerial vom Oberlauf und den einmündenden Nebenflüssen nachgeliefert wird. Durch den Eingriff des Menschen und die Regulierung der Flüsse für die Schifffahrt wird dieser Prozess jedoch deutlich beschleunigt:

  • Flussbegradigungen vermindern den Abflusswiderstand und beschleunigen die Strömung.
  • Der Bau von Staustufen unterbindet den Weitertransport von Geschiebe vollständig.
  • Durch den Ausbau der Nebenflüsse wird auch von dort nicht mehr genügend Geschiebe nachgeliefert.
  • Die Einschnürung des Flussbetts durch Buhnen führt zu einer höheren Fließgeschwindigkeit in der Mitte des Flusses und damit dort zur verstärkten Erosion der Sohle.
  • Die Befestigung der Ufer mit Schottersteinen oder Spundwänden verhindert die Erosion der Flussufer und unterbindet die Zufuhr von natürlichem Geschiebe.

Sinkende Wasserspiegel lassen die Flussauen austrocknen

Die Sohlenerosion konzentriert sich heute auf den Abschnitt zwischen Torgau und der Saalemündung. Hier hat sich der Fluss in den letzten hundert Jahren um bis zu zwei Meter „tiefergelegt“. Durch die tschechischen Staustufen im Oberlauf der Elbe und die ausgebauten Nebenflüsse nimmt sich der Fluss das fehlende Material nun aus seinem sandig-kiesigen Flussbett. Da der Fluss und das umgebende Grundwasser aber miteinander im Austausch stehen, sinkt auch der Grundwasserspiegel der Umgebung. Die Folge: die vom Wasser abhängigen Auen trocknen aus. Besonders die Feuchtbiotope der Biosphärenreservate an der Mittelelbe sind gefährdet. Aber auch die Grundwasserneubildung und die Ertragskraft der land- und forstwirtschaftlichen Flächen inner- und außerhalb der Aue wird stark beeinträchtigt.

Deshalb wird von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost seit 1996 künstliches Sand-Kies-Geschiebe in die Elbe eingebracht - im Jahr 2005 waren das knapp 60.000 Tonnen. Da aber, um die Schifffbarkeit weiter zu gewährleisten, immer nur kleine Mengen auf einmal zugegeben werden können, reichen diese bei weitem nicht aus.

Die Folgen der Tiefenerosion für Natur und Landschaft und die Zerstörung der wertvollen Flussauen - Lebensraum für unzählige, teils stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten - sind so schwerwiegend, dass aus Sicht des BUND alles getan werden muss, um diesen Prozess aufzuhalten!








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