Naturlandschaft und Besonderheiten der Havel
Die Havel entspringt bei Middelsee in Mecklenburg-Vorpommern im Nationalpark Müritz. Ihr Einzugsgebiet ist rund 24.000 km groß und befindet sich zu 73% in Brandenburg. Bei einer Länge von 325 km beträgt die Entfernung zwischen Quelle und Mündung nur ca. 90 km – sie mäandriert in großen Schleifen durch die von Eiszeiten geprägte flache Landschaft Brandenburgs und mündet schließlich beim Gnevendorfer Vorfluter in die Elbe. Die Landschaft, die dabei durch die langsam strömende Havel geformt wurde, ist von außergewöhnlicher Schönheit und Vielfalt: seenartige Erweiterungen, Schilfgürtel, Wälder und zeitweise überschwemmte Feuchtgebiete prägen die Landschaft.
Ein Flachlandfluss mit einzigartigem Gepräge
Die Havel ist ein typischer Flachlandfluss mir einem extrem geringen Gefälle von 41 Metern, einer Wassertiefe zwischen 2,20 m und 3,50 Metern und geringer Wasserführung. Trotz ganzjähriger Stauregelung im gesamten Verlauf finden sich hier Reste von Flussauenlandschaften, die auf den Wechsel von Überschwemmungen und Niedrigwasser angewiesen sind. Flußauen zeichnen sich durch vielgestaltige, spezialisierte Lebensformen aus. In diesen letzten noch naturnahen Fluss- und Seenlandschaften haben eine Vielzahl gefährdeter Arten, wie z.B. Biber, Fischotter, Seeadler, Bekassine und Kranich ihren Lebensraum.
Wichtige Biotopverbindung
Darüber hinaus ist die Havel eine äußerst wichtige Biotopverbindung zwischen den Auen des Spreewaldes und der Havelniederung und Elblandschaft. Die ausgeprägten Luchgebiete der Havel - weiträumige Überflutungsgebiete, die für eine europäische Flusslandschaft einzigartig sind - bieten Lebensraum für seltene Arten wie Großtrappe, großen Brachvogel, Kiebitz und Wat- und Wiesenvögel; außerdem sind sie wichtige Raststationen für wassergebundene Zugvögel.
Entlang der Havel existieren viele bedeutende Naturschutzgebiete, einige besonders wertvolle Flächen im Bereich der Havel stehen als FFH- und Vogelschutzgebiete unter europäischem Naturschutz.
Eine feuchte Oase mitten in Berlin
Die Tiefwerder Wiesen sind das einzige noch erhaltene natürliche Überschwemmungsgebiet innerhalb Berlins. Diese Havel-Aue ist von besonderer Bedeutung als Fischlaichgebiet und Kinderstube der Fische, da in den kanalisierten Flüssen keine Laich- und Aufzuchtgebiete mehr zu finden sind. Hier finden sich seltene Fischarten wie Hecht, Hasel und Moderlieschen. Die beiden letzteren sind im Bereich Havel/Spree nur hier zu finden. Außerdem ist ein großer Bestand an der stark gefährdeten Ringelnattern und Zauneidechsen nachgewiesen.
Naturparadies untere Havel
Die untere Havel mit ihren vielen Nebenarmen, Altwässern und dem ausgedehnten Auengrünland ist noch ein weitgehend intaktes Flussökosystem. Hier findet sich der Naturpark Westhavelland mit dem größten zusammenhängenden Binnen-Feuchtgebiet im westlichen Mitteleuropa. 58 Quadrat-Kilometer davon wurden als „Feuchtgebiet internationaler Bedeutung“ (FIB) ausgewiesen. Die Niederung der Unteren Havel hat darüber hinaus europäische Bedeutung als Vogelschutz- sowie FFH-Gebiet.
Inzwischen wird auf den letzten 90 km Flusslauf zwischen Pritzerbe und der Mündung in die Elbe ein großes Renaturierungs-Modellprojekt angeschoben.
siehe auch: Das Renaturierungsprojekt Untere Havel unter www.nabu.de