Die Oder entspringt tief im mährischen Gebirge in den Ostsudeten in Tschechien und windet sich von dort auf über 860 km Länge durch Tschechien, Polen und Deutschland bis ins Stettiner Haff an der Ostsee. Sie ist der wohl bedeutendste Grenzfluss Europas – auf 162 km bildet sie die Grenze zwischen Deutschland und Polen. Ihr Einzugsgebiet umfasst 118.780 km2, davon liegen 4.739 km2 in Brandenburg. Die Landschaft, die sie dabei durchquert, reicht vom wilden und unberührten mährischen Gebirge bis in eine breite Talniederung eiszeitlichen Ursprungs.
Trotz ihres Ausbaus zur internationalen Wasserstrasse ist die Oder auf weiten Strecken wild und unberechenbar geblieben: Riesige Hochwässer wechseln ab mit Zeiten extrem niedriger Wasserstände. In Trockenperioden ist die Oder stellenweise nur 60 cm tief – schlechte Bedingungen für die Schifffahrt. Durch die Abgeschiedenheit der Grenzregionen konnte sich eine erstaunliche Naturschönheit und Artenvielfalt erhalten – die Oder besitzt die größten Auenlandschaften Mitteleuropas und ist eine bedeutende Vogelzug- und Fischwanderstraße. Hier schwimmen noch Lachse, Störe und Maifische.
Lebensraum Auenlandschaft
Die weiträumigen Auenlandschaften der Oder nehmen während der Hochwasserzeiten viel Wasser auf - von oben betrachtet können sie wie große Seen aussehen. Diese Flussauen haben einen unschätzbaren Wert: sie wirken wie große biologische Kläranlagen, die das teilweise stark belastete Flusswasser reinigen. Sie bieten Überflutungsräume für die regelmäßigen Hochwasserperioden und einigen der seltensten Tier- und Pflanzenarten Europas einen Lebensraum. Hier finden sich Seeadler, Flussregenpfeifer, Fischotter und Biber, einzigartige Schwimmfarne und ganze Teppiche der seltenen Sumpfdotterblumen. Auch 19 verschiedene Amphibien- und Reptilienarten leben hier.