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Ein Atomkraftwerk an der Oder?

© Bernd Boscolo / PIXELIO.DE

In Gryfino an der Oder könnte bis 2020 das erste Atomkraftwerk Polens entstehen – so wollen es polnische Planer, Wissenschaftler und Politiker. Die Stadt hat sich als Standort für eins der von Polen geplanten AKWs beworben. Befürworter sehen vor allem die Vorteile des Standortes: Die Oder bietet Kühlwasser für die Reaktoren, Stromtrassen sind durch das schon existierende Kohlekraftwerk vorhanden. Was sie dabei gerne verschweigen: Nur einige hundert Meter entfernt liegen streng geschützte Naturlandschaften und auf deutscher Seite der Internationalpark „Unteres Odertal“.

Gefahr für den Naturschutz

In der Praxis wäre ein AKW an der Oder eine Katastrophe für die Natur: Durch die Kühlwassereinleitungen würde sich der Fluss an dieser Stelle stark erwärmen und das Ökosystem verändern. Bereits jetzt finden sich dort exotische wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, die Fische werden deutlich größer als normal. Denn durch die Kühlwassereinleitungen des bestehenden Kohlekraftwerks hat sich ein sogenannter „warmer Kanal“ gebildet. Wie sich ein Störfall und ein möglicher Austritt von Radioaktivität auf die empfindlichen Ökosysteme auswirken würde, ist gar nicht abzusehen.

Widerstand auf deutscher Seite

Während die polnischen Kommunen den Bau eines AKWs und die damit verbundene Schaffung neuer Arbeitsplätze begrüßen, regt sich auf deutscher Seite energischer Widerstand. Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat die polnische Regierung mehrfach aufgefordert, auf den Bau von AKWs in Grenznähe zu Brandenburg zu verzichten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Mike Bischoff hat im Raum Schwedt eine Unterschriftenaktion gegen das Atomkraftwerk initiiert, mehr als 20.000 Menschen haben unterschrieben. Auch der Berliner Senat hat sich deutlich gegen die Pläne der polnischen Regierung ausgesprochen.

Internationale Abstimmung nötig

Als EU-Mitglied ist Polen verpflichtet, seinen Nachbarn Deutschland am Genehmigungsverfahren zu beteiligen. Auch eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung wäre nötig. Denn 2006 verständigten sich Polen und Deutschland vertraglich darauf, dass bei grenzüberschreitenden Projekten eine gemeinsame Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden muss. Eine solche UVP wäre aufwendig und könnte teure Auflagen durch die EU nach sich ziehen.

Polen drückt dennoch aufs Tempo: Bis zum 30. Juni 2010 soll der Entwurf des polnischen Atomenergieprogramms stehen und mögliche Standorte der Kernkraftwerke genannt werden. Der Bau des ersten AKWs soll 2016 beginnen.

Aktuell:

Nach Informationen des Tagesspiegels vom 30.4.10 ist Gryfino an der Oder als Standort der eins von drei in Polen geplanten Atomkraftwerke inzwischen ausgeschieden. Das erste AKW wird statt dessen Zarnowiec (Zarnowitz) in Pommern gebaut, rund 330 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Der Tagesspiegel vom 30.4.10: "Polen plant Einstieg in die Atomenergie"

 

 


Weiterführender Link:

Der poln. Rahmenzeitplan zum Einstieg in die Atomenergie (auf englisch)









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