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Argument Eishochwasser: Gefahr an der Oder?

In der Diskussion um den Ausbau und die Unterhaltung der letzten natürlichen Flüsse ist die Gefahr vor Eishochwasser ein neues Argument seitens der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen.

Phänomen Eishochwasser

Im Winterhalbjahr kann es an der Oder immer wieder zu Überschwemmungen kommen, die durch Eis hervorgerufen wurden. Dabei schieben sich Eisschollen unter- und übereinander, das Wasser staut sich dahinter. Die Folge: der Deich kann überspült werden, durch treibende Eisschollen kann es zu Deichbeschädigungen kommen, die die Standsicherheit der Deiche gefährdet.

Diese Ereignisse sind selten, aber gefährlich - sie treten sehr plötzlich auf und es muss innerhalb von Stunden gehandelt werden, damit es zur keiner Katastrophe kommt. Die Gefahr eines Eisstaus ist in flacheren Flussabschnitten und bei Niedrigwasser besonders hoch. Ungefährdet sind dagegen Flussabschnitte, an den die Deiche dem Fluss genügend Raum lassen.

Eisbrecher im Katastropheneinsatz sinnvoll?

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen propagieren, dass zur Gefahrenabwehr die Flüsse im großen Maßstab ausgebaut werden müssen, damit Eisbrecher ungehindert fahren und ein Eishochwasser durch Eisstau verhindern können. Beispielweise fordert das Wasserschifffahrtsamt Stettin eine Mindesttiefe von 1,80 m an der gesamten Grenzoder.

Diese Argumentation ist unsinnig: Da der Fluss von der Mündung her aufgebrochen werden muss, damit das Eis ungehindert abtransportiert werden kann und die Geschwindigkeit der Eisbrecher nur bei 6 bis 7 km pro Tag liegt, wird ein plötzlich auftretender Eisstau nur sehr selten rechtzeitig von den Eisbrechern erreicht.
Beispiel: Kommt es in Hohensaaten zu einem plötzlichen Eisstau, der einen schnellen Eisaufbruch erfordert, sind die Eisbrecher von der Odermündung bzw. von Stettin kommend erst nach 10 Tagen zur Stelle!

Katastrophenschutz vor Naturschutz

Es steht außer Frage: Menschenleben gehen vor Naturschutz. Aber es müssen dafür sinnvolle und praktikable Methoden entwickelt werden. Katastrophenschutz darf nicht vorgeschoben werden, um Flussausbau für die Schifffahrt zu betreiben!

Den Umweltverbänden erscheinen andere Maßnahmen sinnvoller:

  • Durch Deichrückverlegungen und die Schaffung von Retentionsräumen am Fluss kann das Wasser um den Eisversatz geleitet werden. Zudem senken zusätzliche Überflutungsflächen die Hochwasserspitze.
  • Gehölze im Deichvorland schützen die Deiche wirkungsvoll vor Eisschurf. Gegebenenfalls kann dies durch Pflasterung der Deichkrone unterstützt werden.









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