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Lebendige Flüsse – Lebensadern unserer Landschaften

Flüsse und ihre Auen gehören zu den artenreichsten Naturräumen Europas. Sie weisen ein dynamisches, kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Standortbedingungen auf. Eine große Anzahl seltener, gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten leben in diesen ökologisch wertvollen Bereichen: Allein in den Auenwäldern des Oberrheins wurden 250 Vogel-, 30 Säugetier-, 17 Amphibien-, 8 Reptilien-, 500 Schmetterlings- und 1000 Käferarten nachgewiesen. Viele dieser Tiere sind auf hervorragende Weise an die hier herrschenden, oft extrem wechselnden Lebensbedingungen angepasst.

Hauptmerkmal naturbelassener Flüsse und Auen sind die mit dem Wechsel der Jahreszeiten wiederkehrenden Schwankungen der Wasserstände mit Hoch- und Niedrigwasser. Ein lebendiger Fluss weist aufgrund der ständig wechselnden Wasserführung und Geschiebefracht, des unterschiedlichen Gefälles und Untergrundes eine enorme Strukturvielfalt auf. Reißende Strömungen wechseln mit Stillwassern und Altarmen, kahle Kiesbänke und trockene Sanddünen folgen feuchten Auenwäldern. Es entstehen neue Auskolkungen, Uferabbrüche und Flachwasserzonen – Lebensräume für heute selten gewordene Tier- und Pflanzenarten.

Wertvoll aber gefährdet

Flüsse und Flusslandschaften zählen nicht nur zu den wertvollsten, sondern inzwischen auch zu den am stärksten geschädigten Ökosystemen in Mitteleuropa. In den letzten 150 Jahren wurden die meisten Flüsse in einem hohen Ausmaß begradigt, vertieft, kanalisiert und mit Staustufen verbaut. Die ersten großen Eingriffe in die Flüsse, wie z.B. die Begradigung des Oberrheins zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sollten zum schnelleren Abfluss des Hochwassers beitragen. Dadurch wurde eine dauerhafte Besiedlung der Flussauen sowie eine bessere Nutzung der Flüsse durch die Schifffahrt überhaupt erst möglich. Im 20. Jahrhundert gab es durch die fortschreitende Technikentwicklung immer stärkere Eingriffe in die Flüsse – ob für die Schifffahrt, die Verbesserung der Vorflut oder für die Energiegewinnung. Die Nebenwirkungen dieser Eingriffe erzeugen jedoch wiederum gravierende ökologische Probleme, von deren Folgen zunehmend auch der Mensch bedroht ist. Die Hochwasserkatastrophen 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe sind ein Beweis dafür.

Durch die Begradigung der Flussläufe und die Einschnürung und Verkleinerung der Auen durch flussnahe Deiche wurden nicht nur wertvolle Biotope zerstört. Es stieg auch wieder die Hochwassergefahr, da den Flüssen die Überflutungsräume genommen wurden. Große Teile der ehemaligen Flussauen wurden zu intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen oder in Industrie- und Gewerbegebiete umgewandelt. Dadurch gingen nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern auch für den Hochwasserschutz notwendige Retentionsräume verloren. Heute ist nur noch ein Fünftel aller Flüsse und Flussauen in Deutschland naturnah erhalten.

Gefahr durch Tiefenerosion

Die Verkürzung der Flussläufe und die Bündelung der Niedrig- und Mittelwasserabflüsse durch Buhnen führen zu höheren Fließgeschwindigkeiten, die Flüsse graben sich immer tiefer ein. Dieser Erosions- und Eintiefungsprozess wird verstärkt, indem Staustufen die Geschiebezufuhr aus dem Oberlauf sowie Uferbefestigungen und Buhnen den seitlichen Eintrag von Sedimenten verhindern. So haben sich z.B. die Elbe zwischen Torgau und Dessau sowie der Niederrhein um bis zu zwei Meter, der Rhein zwischen Basel und Breisach sogar bis zu sieben Metern eingetieft. Das zusammenhängende System Fluss-Aue wird dadurch entkoppelt. Da der Grundwasserspiegel ebenfalls absinkt, kommt es in Auenbiotopen, aber auch auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen durch Austrocknung zu irreparablen Schäden, die mit Einkommensverlusten für die Bauern einhergehen. Staudämme und Wehre verhindern die natürlichen Wanderungen der Fische und anderer Wasserorganismen, z.B. versperren sie wandernden Fischarten wie Lachs und Maifisch den Weg in ihre Laichgebiete.









Binnenschifffahrt auf lebendigen Flüssen

Der BUND lehnt einen weiteren Ausbau unserer Flüsse ab und fordert Renaturierungs- programme, um die in der Vergangenheit verursachten ökologischen Schäden zu korrigieren.

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