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BUND-Forderungen für einen ökologischen Hochwasserschutz


Heftige Regenfälle und darauf folgende Hochwasser sind ein unabänderliches Naturereignis und gehören zur natürlichen Flussdynamik. Die Häufung von Hochwasserkatastrophen in den letzten Jahren sowie deren Ausmaße sind jedoch besorgniserregend.

Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel müssen wir auch in Zukunft vermehrt mit extremen Wetterlagen, überdurchschnittlichen Regenfällen und dadurch verursachten Hochwasserkatastrophen rechnen. Deshalb fordert der BUND eine grundlegende Neuorientierung in der Fluss- und Raumordnungspolitik.

Versiegelte und verdichtete Böden lassen Niederschläge zu schnell abfließen

Zur steigenden Hochwassergefahr trägt die zunehmende Flächenversiegelung durch Siedlungen und Verkehrswege maßgeblich bei. Bereits 12 Prozent der Landesfläche Deutschlands (fast 4 Millionen Hektar) sind versiegelt. In Ballungsräumen sind bis zu 80 Prozent der Fläche überbaut. Und die Tendenz ist weiterhin steigend: Immer noch werden täglich ca. 130 Hektar (das entspricht ca. 200 Fußballfeldern) zugebaut. Oft entstehen Siedlungen und Industrieanlagen in direkter Flussnähe. Auf den versiegelten Flächen ist die Versickerung des Regenwassers ins Grundwasser und die unterirdische Speicherung unterbunden. Stattdessen wird das Wasser in kürzester Zeit über die Kanalisation den Bächen und Flüssen direkt zugeleitet.

Auch die intensive Land- und Forstwirtschaft, die Umwandlung von Wiesen in Ackerland und die zunehmende Bodenverdichtung auf Ackerflächen führen zu einer verringerten Wasserspeicherkapazität der Böden. Gleiches gilt für den Wald, der durch Waldschäden und Kahlschlag ebenfalls an Wasserspeichervermögen verliert. Die Folge: nach heftigen Niederschlägen fließt das Wasser schneller ab, die Flutwellen strömen höher und schneller durch die durch Uferbefestigungen, Deiche und andere Bauwerke eingezwängten Bäche und Flüsse.

Durch Begradigung der Flüsse werden Flutwellen schneller und höher

In den letzten zwei Jahrhunderten hat der Mensch den Flüssen zunehmend ihren Raum genommen und sie zur besseren Schiffbarkeit begradigt, in Beton- und Deichkorsetts gezwängt, und durch Staustufen ihrer natürlichen Dynamik beraubt. Ausbau und Kanalisierung haben zu einer Verkürzung der Flussläufe und damit zu einem beschleunigten Wasserabfluss geführt. Die Hochwasserfluten werden damit bereits an den Oberläufen beschleunigt und treffen mit den Fluten der Nebenflüsse zusammen.

Durch den Ausbau wurden den Flüssen auch die hochwasserregulierenden Überflutungsauen genommen. So sind an Elbe und Rhein vier Fünftel der ursprünglichen Überschwemmungsflächen durch Deichbau verloren gegangen; die Donau kann nur noch auf einer Strecke von 70 Kilometern frei fließen.
Die natürlichen Flussauen sind aber für unsere Landschaften von außerordentlichem Wert. Sie wirken bei Hochwasser als natürliches Regulativ, da sie beträchtliche Wassermengen zurückhalten, speichern und schließlich verdunsten und versickern lassen.

Maßnahmen zur Hochwasservorsorge

Eine Politik, welche die ökologischen Zusammenhänge ignoriert und vor allem auf Eindeichung sowie technische Flussbaumaßnahmen setzt, kann nicht zum Ziel führen. Die Hochwasservorsorge muss mit Natur- und Umweltschutzmaßnahmen Hand in Hand gehen. Vorbeugung und Vermeidung von Hochwasserereignissen müssen Vorrang vor neuen Eindeichungen, technischem Wasserbau und Schadensersatz haben. Die bereits vorhandenen rechtlichen Grundlagen zur Hochwasservorsorge müssen konsequent umgesetzt werden.

Der BUND fordert:

• Programme für Fließgewässerrenaturierungen im gesamten
   Wassereinzugsgebiet der großen Ströme, damit Hochwasserwellen
   nacheinander und niedriger abfließen.

• den Verzicht auf weitere naturzerstörenden Ausbaumaßnahmen wie
   Staustufen, Kanalisierung, und Vertiefungen

• die konsequente Umsetzung von Konzepten zur Schaffung natürlicher
   Überflutungsbereiche entlang der Flüsse

• die Novellierung des Bundeswasserstraßengesetzes mit dem Ziel, den
   ökologischen Erfordernissen von Flüssen den Vorrang vor wirtschaftlichen
   Nutzungsinteressen zu geben.

• die konsequente planerische und organisatorische Umsetzung der
   Naturschutzbelange im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie

• die Vermeidung von neuen Eindeichungen außerhalb von Siedlungen und die
   Rückverlegung von Deichen ins Landesinnere

• eine Stärkung der Speicherkapazität der Böden durch eine naturgemäße Land-
   und Forstwirtschaft, die standortgerechte land- und forstwirtschaftliche
   Bewirtschaftung der Auen

Darüber hinaus ist die weitere Flächenversiegelung zu stoppen und durch geeignete Maßnahmen zur Entsiegelung die Regenwasserversickerung innerhalb der Siedlungen zu verbessern.

Die ausführlichen „BUND-Forderungen für einen ökologischen Hochwasserschutz“ als PDF-Download









Binnenschifffahrt auf lebendigen Flüssen

Der BUND lehnt einen weiteren Ausbau unserer Flüsse ab und fordert Renaturierungs- programme, um die in der Vergangenheit verursachten ökologischen Schäden zu korrigieren.

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